Warum gerade „grün“?

Die Entscheidung für eine „grüne“ Immobilie fällt heute nicht mehr allein aufgrund rationaler Überlegungen. Wo früher ökonomische Motive im Vordergrund standen, werden heute immer mehr emotionale Bezüge genannt. Und das ist nachvollziehbar: Denn wer eine „grüne“ Immobilie kauft oder mietet, spart künftig nicht nur erheblich Energie ein, sondern kann auch mit gutem Gewissen in seinen vier Wänden leben. 

Das Wohnklima ist in optimal gedämmten Räumen einfach besser, baubiologisch unbedenkliche Materialien sorgen für Geborgenheit und Vertrauen, und eine moderne Heizungs- bzw. Lüftungssteuerung verteilt ständig optimal temperierte und gefilterte Luft. Das verschafft allen Bewohnerinnen und Bewohnern ein gutes Gefühl. Dass man dabei – fast nebenbei – den Geldbeutel schont und die Umwelt entlastet, sind zusätzliche Argumente, die den Erwerb einer „grünen“ Immobilie erstrebenswert machen. 

Abgesehen von grünen Wohnimmobilien sind auch nachhaltige Büro- und Gewerbeimmobilien dabei, sich vom Nischensegment zum Marktstandard zu entwickeln. Dies geht aus einer im Jahr 2011 veröffentlichten Marktanalyse hervor. Sowohl auf den Vermietungsmärkten als auch am Investmentmarkt hat die Nachfrage nach „grünen“ Büroimmobilien in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Diese Entwicklung unterstreicht den enormen Bedeutungsgewinn, den der Faktor Nachhaltigkeit aus der Sicht der Büronutzer und -investoren in den vergangenen Jahren erfahren hat.

Aber wie werden aus Immobilien mit durchschnittlicher Energiebilanz grüne Vorzeigeobjekte? Das ist im Einzelfall sehr verschieden und bedarf der genauen Analyse und Planung durch Experten. Eine intelligente Architektur, die Nutzung technischer Möglichkeiten am und im Haus und der richtige Einsatz von ausgewählten Baustoffen gehören auf jeden Fall dazu.

Die Summe aller Maßnahmen kann die Energiebilanz von Altimmobilien erheblich verbessern. Und das zahlt sich aus: Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IWD) aus dem Jahr 2010 haben die Deutschen zwischen 1998 und 2009 etwa 74% mehr Geld für Energie ausgegeben. Besonders hart trifft die Preisentwicklung lt. IWD jene Menschen, die „in schlecht isolierten Häusern leben...“.

Viele Mieter oder Eigentümer von Wohn- oder Geschäftsimmobilien überlegen daher heute schon, wie sie hohe Nebenkostenabrechnungen vermeiden können. Maßnahmen zur Energieeinsparung rücken dadurch in den Mittelpunkt.

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Gebäudeenergieverbrauch

40 Prozent der Energie in Deutschland wird in öffentlichen und privaten Gebäuden verbraucht wird. Zugleich tragen Gebäude mit etwa 30 Prozent zum CO2-Ausstoß bei. Damit zählt der Gebäudebereich zu jenen mit großem Optimierungspotenzial.

Jede Maßnahme zur energetischen Sanierung eines Gebäudes leistet deshalb einen Beitrag zur Energieeinsparung.

Die Planung eines Neubaus unter Beachtung energetischer Gesichtspunkte trägt ebenso zu Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung bei. Hinzu kommt, dass energetisch optimierte Immobilien einen höheren Wiederverkaufswert besitzen und ihre Eigentümer vom ersten Tag an Betriebskosten einsparen.


Energieeinsparverordnung (EnEV)

Die Politik hat auf die Erkenntnis, dass die Vorkommen fossiler Energieträger wie Öl und Gas endlich sind, und damit mittel- bzw. langfristig immer teurer werden, mit der Verschärfung von Verordnungen zum Energiehaushalt von Gebäuden reagiert.

In der Richtlinie 2010/31/EU der Europäischen Union über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden ist festgelegt, dass ab 2021 nur noch Gebäude mit einem sehr geringen Energiebedarf errichtet werden dürfen. Öffentliche Gebäude unterliegen dieser Pflicht bereits ab dem Jahr 2019.

Die deutsche Bundesregierung strebt mit ihrem Energiekonzept ebenfalls bestimmte Energieeffizienz-Ziele an, und zwar die Einführung „klimaneutraler Neubauten“ ab 2020, die Absenkung des Primärenergiebedarfs im Bestand bis 2050 um 80 Prozent sowie die Entwicklung eines Sanierungsfahrplans für den Baubestand.

UPDATE Am 16. Oktober 2013 hat das Bundeskabinett grünes Licht für die Neufassung der Energie-Einsparverordnung (EnEV) gegeben, die Minimalstandards für Immobilien verbindlich vorschreibt. Der zulässige Primärenergiebedarf reduziert sich in den Jahren 2014 und 2016 um je 12,5%, die Anforderungen an die Dämmwirkung der Gebäudehülle steigen im Schnitt um 10%. Das gilt aber nur für neu zu errichtende Immobilien, nicht für den Gebäudebestand.